Wie lange dauert es, ein Elektroauto zu laden? Die ehrliche Antwort: Es kommt auf drei Faktoren an — die benötigte Energiemenge, die Leistung des Ladegeräts und die maximale Ladeleistung des Fahrzeugs selbst. Wer diese drei Werte kennt, kann die Ladezeit mit einer einfachen Formel auf wenige Minuten genau berechnen.
Die Ladezeit-Formel
Ladezeit Formel
Reale Ladezeit ≈ Theoretische Zeit × 1,10 (Wirkungsgradfaktor)
Wenn du zum Beispiel einen VW ID.4 von 20 % auf 80 % laden möchtest, brauchst du 60 % von 77 kWh = 46,2 kWh. An einer 11-kW-Wallbox dauert das theoretisch 46,2 ÷ 11 = 4,2 Stunden, real mit Wirkungsgrad etwa 4,6 Stunden.
Aktueller Ladestand: 12 % → Ziel: 90 % → Ladeanteil: 78 %
Benötigte Energie: 82 × 0,78 = 63,96 kWh
Ladeleistung Wallbox: 11,5 kW (OBC-Limit des Fahrzeugs)
Theoretische Zeit: 63,96 ÷ 11,5 = 5,56 h × 1,10 = ca. 6,1 Stunden
Ladezeiten nach Ladetyp — Übersichtstabelle
Hier siehst du, wie lange verschiedene Ladetypen für die drei gängigsten Akkugrößen brauchen. Die Angaben gelten für eine Ladung von 0 % auf 100 % bzw. 10 % auf 80 % beim DC-Schnelllader:
| Ladequelle | Leistung | Akku 58 kWh (0–100 %) | Akku 77 kWh (0–100 %) | Akku 100 kWh (0–100 %) |
|---|---|---|---|---|
| Schuko (CEE, 10A) | 2,3 kW | ~27 h | ~36 h | ~47 h |
| Schuko (CEE, 16A) | 3,7 kW | ~17 h | ~23 h | ~30 h |
| Wallbox 7,4 kW (1-phasig) | 7,4 kW | ~8,6 h | ~11,4 h | ~14,8 h |
| Wallbox 11 kW (3-phasig) | 11 kW | ~5,8 h | ~7,7 h | ~10,0 h |
| Wallbox 22 kW (3-phasig) | 22 kW* | ~2,9 h | ~3,9 h | ~5,0 h |
| DC-Schnelllader 50 kW | 50 kW | ~42 min (10–80 %) | ~56 min (10–80 %) | ~72 min (10–80 %) |
| DC-Schnelllader 150 kW | 150 kW | ~14 min (10–80 %) | ~18 min (10–80 %) | ~24 min (10–80 %) |
| DC-Schnelllader 350 kW | 350 kW | ~6 min (10–80 %) | ~8 min (10–80 %) | ~11 min (10–80 %) |
*22 kW Wallbox: Nur sinnvoll für Fahrzeuge mit 22-kW-OBC (z. B. Renault Zoe, BMW i3). Die meisten modernen E-Autos in Deutschland haben nur 11-kW-OBC.
Der On-Board-Lader (OBC): Der unsichtbare Flaschenhals
Vielen Fahrern ist nicht bewusst, dass die Wallbox allein die Ladezeit nicht bestimmt. Der On-Board-Lader (OBC) des Fahrzeugs wandelt den Wechselstrom (AC) der Wallbox in Gleichstrom (DC) für die Batterie um — und er hat eine maximale Kapazität, die nicht überschritten werden kann.
| Fahrzeug | OBC-Max (AC) | Empfohlene Wallbox | Effektive Heimladeleistung |
|---|---|---|---|
| VW ID.3 / ID.4 | 11 kW (3-phasig) | 11 kW | 11 kW |
| Tesla Model 3 (Standard) | 11 kW | 11 kW | 11 kW |
| Tesla Model 3 Long Range | 11,5 kW | 11 kW | 11 kW |
| BMW iX xDrive50 | 11 kW (3-phasig) | 11 kW | 11 kW |
| Hyundai Ioniq 6 (AWD) | 11 kW (3-phasig) | 11 kW | 11 kW |
| Renault Zoe (aktuell) | 22 kW (3-phasig) | 22 kW | 22 kW |
| Mercedes EQS 450+ | 11 kW | 11 kW | 11 kW |
Wirkungsgrad und Ladeverluste
Nicht die gesamte Energie, die du aus dem Netz nimmst, landet in der Batterie. Auf dem Weg entstehen Verluste durch:
- Wärmeentwicklung im Wallbox-Kabel und Stecker: ~1 %
- Gleichrichter im OBC (AC → DC): ~5–8 %
- Batteriemanagementsystem und Temperierung: ~2–3 %
Die Gesamteffizienz liegt typischerweise bei 88–93 Prozent. Das bedeutet: Du zahlst für ~10 % mehr Strom, als wirklich in die Batterie gelangt. Für die Ladezeit-Kalkulation multiplizierst du die theoretische Zeit daher mit dem Faktor 1,08 bis 1,12.
Die 10–80-Prozent-Empfehlung
Warum empfehlen fast alle Hersteller, nur bis 80 Prozent zu laden? Und warum sollte man nicht unter 10 Prozent entleeren? Die Antwort liegt in der Elektrochemie der Lithium-Ionen-Zellen:
- Oberhalb von 80 %: Die Zellen müssen vorsichtiger geladen werden, um Lithiumablagerungen am Anode zu vermeiden. Das Batteriemanagementsystem (BMS) drosselt die Leistung deutlich — der letzte Ladeabschnitt von 80 auf 100 % dauert oft genauso lang wie der von 40 auf 80 %.
- Unterhalb von 10 %: Tiefe Entladung beschleunigt die chemische Degradation und erhöht den Innenwiderstand der Zellen über die Zeit.
Ladezeiten für beliebte E-Auto-Modelle in Deutschland
| Fahrzeug | Akku (netto) | OBC max. | Wallbox 11 kW (20→80 %) | DC max. | 10→80 % DC |
|---|---|---|---|---|---|
| VW ID.3 Pro S | 77 kWh | 11 kW | ~4,2 h | 170 kW | ~28 min |
| VW ID.4 Pro | 77 kWh | 11 kW | ~4,2 h | 135 kW | ~34 min |
| Tesla Model 3 Long Range | 82 kWh | 11 kW | ~4,5 h | 250 kW | ~23 min |
| BMW iX xDrive50 | 105 kWh | 11 kW | ~5,7 h | 200 kW | ~37 min |
| Hyundai Ioniq 6 RWD | 77 kWh | 11 kW | ~4,2 h | 230 kW | ~18 min |
| Mercedes EQS 450+ | 108 kWh | 11 kW | ~5,9 h | 200 kW | ~38 min |
| Renault Zoe R135 | 52 kWh | 22 kW | ~1,6 h | 50 kW | ~52 min |
Reichweite pro Ladestunde
Eine praktische Faustregel für den Alltag — wie viele Kilometer Reichweite füge ich pro Stunde Laden hinzu:
| Ladequelle | Leistung | km/h bei 6 km/kWh | km/h bei 5 km/kWh |
|---|---|---|---|
| Schuko (16A) | 3,7 kW | ~22 km/h | ~18 km/h |
| Wallbox 7,4 kW | 7,4 kW | ~44 km/h | ~37 km/h |
| Wallbox 11 kW | 11 kW | ~66 km/h | ~55 km/h |
| Wallbox 22 kW | 22 kW | ~132 km/h | ~110 km/h |
Ladezeit für dein Fahrzeug berechnen
Gib einfach dein E-Auto-Modell und die Ladequelle ein — unser Rechner zeigt dir sofort die genaue Ladezeit und die Reichweite, die du pro Stunde dazugewinnst.
Zum Ladezeit-Rechner →Häufige Fragen zur Ladezeit
Wie berechne ich die Ladezeit meines E-Autos?
Verwende die Formel: Ladezeit (h) = benötigte Energie (kWh) ÷ Ladeleistung (kW). Wenn du deinen VW ID.4 von 20 % auf 80 % laden möchtest (60 % von 77 kWh = 46,2 kWh) und eine 11-kW-Wallbox nutzt, sind das 46,2 ÷ 11 = 4,2 Stunden theoretisch. Mit dem Wirkungsgradkorrekturfaktor von 1,10 sind es realistisch ca. 4,6 Stunden. Unser Ladezeit-Rechner macht das automatisch für über 100 Modelle.
Warum dauert das Laden länger als berechnet?
Aus zwei Hauptgründen: Erstens haben die Lade-Elektronik und das Kabel Verluste von 7–12 Prozent (Wirkungsgrad ca. 88–93 %). Zweitens drosselt das BMS die Ladeleistung an den Extremen des Ladezustands: unterhalb von etwa 15 % und oberhalb von 80 % lädt das Fahrzeug deutlich langsamer als in der Mitte. Die reale Ladezeit ist daher 10–20 % länger als der theoretische Wert.
Wie viele Kilometer Reichweite lade ich pro Stunde an der Wallbox?
Bei einer 11-kW-Wallbox und einem E-Auto mit 6 km/kWh Effizienz (typisch für einen VW ID.3 auf der Landstraße) lädst du rund 66 km pro Stunde. Bei 5 km/kWh (gemischt, inkl. Autobahn) sind es noch 55 km/h. Ein Auto, das abends mit 20 % Restladung angeschlossen wird und bis 6 Uhr morgens lädt (8 Stunden), hat je nach OBC-Leistung zwischen 220 und 530 km neue Reichweite im Akku.
Warum wird die Ladeleistung nach 80 % drastisch reduziert?
Über 80 % Ladezustand müssen die Lithium-Ionen sehr langsam und vorsichtig in die Anode eingebettet werden, um sogenannte Lithiumablagerungen zu vermeiden. Diese würden die Kapazität dauerhaft reduzieren und im Extremfall zu Kurzschlüssen führen. Das BMS drosselt deshalb die Leistung nach 80 % deutlich — der letzte 20-Prozent-Abschnitt dauert oft genauso lang wie die Ladung von 40 % auf 80 %.
Was ist der On-Board-Lader (OBC) und warum ist er wichtig?
Der On-Board-Lader ist das Bauteil im Fahrzeug, das Wechselstrom (AC) aus der Wallbox in Gleichstrom (DC) für die Batterie umwandelt. Seine maximale Kapazität bestimmt die AC-Ladeleistung zuhause. Hat dein Auto einen 11-kW-OBC, lädt es an jeder Wallbox maximal mit 11 kW — auch wenn die Wallbox 22 kW liefern könnte. Du kannst den OBC-Wert in den technischen Spezifikationen deines Fahrzeugs nachlesen.
Kann ich ein E-Auto an der Schuko-Steckdose laden?
Ja, aber es ist nur für Notfälle oder sehr kleine Batterien geeignet. Eine Schuko-Steckdose liefert maximal 3,7 kW (16A Hausnetz), eine normale Steckdose 2,3 kW (10A). Eine 77-kWh-Batterie bräuchte damit 23–36 Stunden für eine Vollladung. Außerdem sind Haushaltssteckdosen nicht für dauerhafte Volllast ausgelegt — ein zertifizierter Schuko-EVSE mit eingebautem Schutzschalter ist Pflicht.